USE CASE

Breakbulk im See­hafen

Prozess­standardisierung führt Um­schlag­betrieb zurück in die Gewinn­zone.
Weniger Spezial­fälle, mehr Effizienz

Prozesse verein­heitlicht und Ergebnis ver­bessert

Individuelle Kunden­anforderungen können zur Belastung werden – vor allem, wenn daraus 30 verschiedene Prozess­varianten entstehen. Ein See­hafen­betrieb an der Unter­weser stand genau vor diesem Problem: Die stark aus­differenzierte Ab­lauf­organisation im Break­bulk-Geschäft ließ sich wirtschaftlich kaum noch steuern. Unsere Prozess­analyse schuf die nötige Transparenz und mündete in ein klares Soll-Konzept mit nur noch acht standardisierten Prozess­blöcken. Das Ergebnis: deutlich höhere Aus­lastung – und die Rück­kehr in die Gewinn­zone.

Prozess-Standardisierung im Breakbulk: Wie ein Seehafenbetrieb mit Soll-Prozessen 30 % Personalkosten senkte

Ein Seehafenbetrieb mit Breakbulk-Geschaeft in der Stahllogistik kaempfte mit defizitaerer Abwicklung und intransparenten Ablaeufen. Die Einfuehrung verkehrstraegeruebergreifender Soll-Prozesse und eine Abteilungs-Restrukturierung senkten die Personalkosten um 30 Prozent.

Ausgangssituation

Ein Seehafenbetrieb wickelte ein breites Spektrum an Breakbulk-Guetern im Stahlumschlag ab. Die Gueter – Bleche, Coils, Langprodukte – erreichten den Hafen ueber verschiedene Verkehrstraeger: Seeschiff, Binnenschiff, Bahn und Lkw. Ueber die Jahre hatte sich fuer nahezu jeden Kunden und jeden Verkehrstraeger ein individueller Ablauf etabliert. Was als operative Flexibilitaet begonnen hatte, war zu einem unuebersichtlichen Geflecht aus Prozessvarianten geworden.

Die wirtschaftliche Belastung war erheblich. Rund 40 Prozent der Taetigkeiten im Umschlag waren nicht durch die bestehenden Kundenkonditionen gedeckt. Die Abwicklung des Breakbulk-Geschaefts war insgesamt defizitaer. Die Ursachen lagen sowohl in der fehlenden Prozesstransparenz als auch in der gewachsenen Organisationsstruktur: Mitarbeiter waren in festen Kolonnen eingeteilt, die Aufgabenverteilung war unklar, und die Zuordnung von Taetigkeiten zu Kostenstellen war nicht nachvollziehbar.

Vorgehensweise

ROTH Logistikberatung verfolgte einen Ansatz, der auf zwei Saeulen stand: die verkehrstraegeruebergreifende Prozess-Standardisierung und die organisatorische Restrukturierung.

Prozessanalyse und Variantenvergleich: Saemtliche kaufmaennischen und gewerblichen Ablaeufe im Breakbulk-Umschlag wurden dokumentiert. Dabei wurden die kunden- und verkehrstraegerindividuellen Prozessvarianten systematisch verglichen. Die Analyse machte sichtbar, welche Unterschiede zwischen den Ablaeufen operativ begruendet waren – und welche lediglich auf historisch gewachsene Gewohnheiten zurueckgingen.

Definition von Soll-Prozessen je Verkehrstraeger und -richtung: Aus dem Variantenvergleich wurden standardisierte Soll-Prozesse abgeleitet – jeweils differenziert nach Verkehrstraeger (Seeschiff, Binnenschiff, Bahn, Lkw) und Richtung (Eingang/Ausgang). Diese Soll-Prozesse definieren den verbindlichen Standardablauf. Kundenspezifische Abweichungen werden als Zusatzleistung transparent gemacht und separat bewertet.

Einfuehrung von Schichtprotokollen: Um die operative Transparenz dauerhaft sicherzustellen, wurden Schichtprotokolle eingefuehrt. Diese dokumentieren den tatsaechlichen Prozessverlauf je Schicht und ermoeglichen den Abgleich mit den definierten Soll-Prozessen. Abweichungen werden zeitnah erkannt statt erst im monatlichen Controlling.

Zeitfenster-Steuerung fuer Lkw: Fuer den Verkehrstraeger Lkw wurde ein Konzept zur Zeitfenster-Steuerung entwickelt. Die Zuweisung fester Zeitfenster reduziert Wartezeiten am Terminal, glaettet die Auslastungsspitzen und verbessert die Planbarkeit des Personaleinsatzes.

Abteilungs-Restrukturierung: Die Organisationsstruktur wurde an den definierten Soll-Prozessen ausgerichtet. Statt historisch gewachsener Zustaendigkeiten orientiert sich die neue Abteilungsstruktur an den Verkehrstraegern und Prozessschritten. Die feste Kolonneneinteilung wurde aufgeloest und durch eine flexible, bedarfsorientierte Personalzuordnung ersetzt.

Ergebnisse

  • 30 Prozent Personalkostensenkung: durch Soll-Prozess-Einfuehrung und Abteilungs-Restrukturierung
  • 23 Prozent Produktivitaetssteigerung: im gewerblichen Bereich durch Aufloesung der starren Kolonneneinteilung und prozessbasierte Personalzuordnung
  • Standardisierte Soll-Prozesse: je Verkehrstraeger und -richtung als verbindliche Arbeitsgrundlage
  • Prozesstransparenz: durch Schichtprotokolle und definierten Abgleich von Soll- und Ist-Ablaeufen
  • Prozessbeschleunigung: in der operativen Abwicklung durch Eliminierung redundanter Arbeitsschritte

Fazit

Breakbulk-Hafenbetriebe stehen vor einem strukturellen Dilemma: Die Vielfalt der Gueterarten und Verkehrstraeger erfordert operative Flexibilitaet, doch ohne Standardisierung sind weder Kosten noch Produktivitaet steuerbar. Im vorliegenden Fall lag der zentrale Hebel nicht in Investitionen oder Technologie, sondern in der methodischen Arbeit an den Prozessen selbst.

Die verkehrstraegerbezogenen Soll-Prozesse schaffen einen verbindlichen Standard, der als Referenz fuer die taegliche Arbeit dient. Kundenspezifische Abweichungen werden nicht verboten, sondern transparent und bepreisbar gemacht. Dieser Ansatz – Standardisierung als Grundlage fuer kontrollierte Flexibilitaet – ist auf andere Hafenbetriebe mit aehnlich heterogenem Gueterspektrum uebertragbar.

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