USE CASE

Versand­logistik: Depot­system vs. Direkt­zu­stellung

Möbel­produzent prüft die Wirtschaftlich­keit seines Verteil­konzepts.
Weniger Spezial­fälle, mehr Effizienz

Prozesse verein­heitlicht und Ergebnis ver­bessert

Individuelle Kunden­anforderungen können zur Belastung werden – vor allem, wenn daraus 30 verschiedene Prozess­varianten entstehen. Ein See­hafen­betrieb an der Unter­weser stand genau vor diesem Problem: Die stark aus­differenzierte Ab­lauf­organisation im Break­bulk-Geschäft ließ sich wirtschaftlich kaum noch steuern. Unsere Prozess­analyse schuf die nötige Transparenz und mündete in ein klares Soll-Konzept mit nur noch acht standardisierten Prozess­blöcken. Das Ergebnis: deutlich höhere Aus­lastung – und die Rück­kehr in die Gewinn­zone.

Depotsystem und Versandlogistik: 11 Depots im Benchmark, 15 KPIs fuer die Kostenwahrheit

Wie eine systematische Depoterhebung die tatsaechlichen Umschlagkosten je Collo ermittelt — und warum der Standardverrechnungssatz nur ein Teil der Wahrheit ist.

Ausgangssituation

Ein Stueckgutnetzwerk mit bundesweiter Zustellstruktur stand vor der Herausforderung, seine Verguetungsmodelle fuer den Sammelguteingang zu ueberarbeiten. Die bestehende Verguetungsstruktur basierte auf Standardverrechnungssaetzen, die 2013 ermittelt worden waren. Seitdem hatten sich Personalkosten, Gebaeudekosten und Strukturkennzahlen erheblich veraendert. Eine Aktualisierung war ueberfaellig – doch dafuer fehlte eine belastbare Datenbasis.

Die zentrale Frage: Was kostet der Umschlag eines Collos tatsaechlich – und welche Kostentreiber stecken hinter den Unterschieden zwischen den einzelnen Depots?

Vorgehensweise

ROTH Logistikberatung fuehrte eine umfassende Depoterhebung durch, bei der 11 Referenz-Depots des Netzwerks nach einer einheitlichen Methodik analysiert und verglichen wurden.

Schritt 1: Strukturierte Datenerhebung in 11 Depots

Fuer jedes Depot wurden die relevanten Kosten- und Leistungsdaten erhoben. Die Abfrage umfasste vier Bloecke:

  • Direkte Kosten:: Lohnkosten (AG-Brutto), Gebaeudekosten inkl. Kaltmiete, Rangier- und Hofdienstkosten, sonstige direkte Kosten
  • Produktivitaet:: Anzahl FTE, Gesamtstunden, Anteil unproduktiver Zeit, Produktivstunden
  • Strukturdaten:: Umschlagsflaeche in Quadratmetern, Hofflaeche, umgeschlagene Tonnage, Sendungen und Colli, Anteil NIP- und Nah-Nah-Sendungen
  • Umschlagverfahren:: Art der FV-Entladung (fest/flexibel), Sortierverfahren, NV-Beladung (Block/Einzelplatz)

Zusaetzlich wurde der zeitliche Verlauf der Fernverkehrseingaenge je Depot erfasst, um die Auslastungsstruktur im Schichtverlauf abzubilden.

Schritt 2: KPI-Berechnung und Benchmark

Aus den Rohdaten wurden 15 Kennzahlen berechnet, die ein vollstaendiges Bild der Umschlagkosten je Depot ergeben:

  • Umschlagleistung:: Die Spannbreite lag zwischen 12 und 24 Colli pro Stunde. Der Durchschnitt ueber alle 11 Depots betrug 19 Colli pro Stunde. Die SE-Produktivitaet liegt erfahrungsgemaess rund 30 Prozent ueber der SA-Produktivitaet.
  • Personalkosten je Collo:: Die Werte reichten von 1,14 Euro bis 2,18 Euro pro Collo. Der IDS-Schnitt lag bei 1,26 Euro. Diese Kennzahl ist der Kern des Standardverrechnungssatzes.
  • Gebaeudekosten:: Zwischen 5 und 14 Euro pro Quadratmeter Monat, abhaengig von Standort und Gebaeudealter. Der Anteil der Hallenkosten, der dem Sammelguteingang zugerechnet wird, variierte zwischen 25 und 100 Prozent.
  • Hallenbedarf:: Durchschnittlich 3 Quadratmeter pro Collo, zusammengesetzt aus Stellflaeche fuer NV-Relationen (40 Prozent) und Entlade- sowie Fahrwegen (60 Prozent).
  • Rangierkosten:: Zwischen 0,07 und 0,25 Euro pro 100 Kilogramm, stark abhaengig von der Terminalstruktur und der Hofflaechengroesse.

Schritt 3: Ermittlung des Gesamtkostensatzes

Der Standardverrechnungssatz setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Personalkosten je Collo plus Umschlagkosten je 100 Kilogramm. Auf Ebene der einzelnen Sendung ergibt sich der Umschlagkostensatz aus der Kombination beider Groessen – unter Beruecksichtigung der durchschnittlichen Colli pro Sendung (1,7) und der durchschnittlichen Kilogramm pro Sendung (264).

Der ermittelte Umschlagkostensatz pro Sendung betrug im IDS-Schnitt 4,42 Euro – gegenueber 3,92 Euro im Benchmark von 2013, ein Anstieg von rund 13 Prozent in fuenf Jahren.

Ergebnisse

  • Aktualisierter Standardverrechnungssatz: auf Basis von 11 Referenz-Depots: 1,26 Euro pro Collo (Personalkosten) plus 0,68 Euro pro 100 Kilogramm (Umschlagkosten)
  • Transparenz ueber Kostentreiber:: Gebaeudekosten und Personalkosten-Produktivitaet als zentrale Differenzierungsfaktoren zwischen den Depots identifiziert
  • Regionalisierungsindex:: Beruecksichtigung regionaler Unterschiede bei Einkommensniveau (stationaer) und Mietniveau (50 Prozent Gewichtung)
  • Entscheidungsgrundlage: fuer die Verguetungsverhandlungen 2020 mit allen Netzwerkpartnern

Fazit

Die Verguetung im Stueckgutnetzwerk kann nur dann fair und nachhaltig gestaltet werden, wenn die tatsaechlichen Kostenstrukturen bekannt sind. Ein einzelner Verrechnungssatz verdeckt die erheblichen Unterschiede zwischen den Depots – in der Produktivitaet, in den Gebaeudekosten und in den Strukturen. Die Depoterhebung von ROTH Logistikberatung schafft die notwendige Transparenz: nicht als theoretisches Modell, sondern auf Basis realer Betriebsdaten aus 11 Standorten. Die Methodik ist reproduzierbar und kann in regelmaessigen Abstaenden aktualisiert werden, um die Verguetungsmodelle an die tatsaechliche Kostenentwicklung anzupassen.

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